Von Gunnar Grüneberg für Freiwillige Feuerwehr Lerbach.
151ste Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Lerbach am 09.01.2026 im Saal des Hotel Sauerbrey
Am Freitag dem 09.01.2026 fand ab 19:30 Uhr die 151ste Jahreshauptversammlung der Freiwilligen Feuerwehr Lerbach im Saal des Hotel Sauerbrey statt. Ortsbrandmeister Andreas Kratsch konnte neben den aktiven und passiven Mitgliedern der Wehr zahlreiche Gäste aus Verwaltung und Politik begrüßen, darunter aus Lerbach den Ehrenortsbürgermeister Frank Koch und den Ehrenkreisbrandmeister Heinz Gärtner, aus Freiheit die Ortsbrandmeisterin Joyce Spillner mit Kamerad*innen und aus Riefensbeek-Kamschlacken den Ortsbrandmeister Uwe Tondock mit Kamerad*innen. Eine Reihe weiterer Gäste kam später noch zu Wort. Nach dem traditionellen Abendessen - Bregenwurst und Grünkohl - eröffnete er die trotz des Winterwetters gut besuchte Versammlung und führte durch die Tagesordnung.
In seinem Jahresbericht informierte Ortsbrandmeister Andreas Kratsch über die Lage und die Aktivitäten der Wehr im Jahr 2025. Die 21 aktiven Mitglieder mussten zu 9 Einsätzen ausrücken. Dieser Wert war noch einmal niedriger als in den Vorjahren, was an der geringen Zahl der Fehlalarme durch Brandmeldeanlagen lag. Dafür waren die Aufgaben anspruchsvoller, insbesondere die beiden Wohnhausbrände im Oktober und im November stellten die Wehr auf die Probe.
Beim ersten Brand Am Schwarzenberg konnte sich der einzige Bewohner selbst retten, während die Feuerwehr das Gebäude trotz schwerer Schäden als Ganzes halten konnte. Beim zweiten Feuer in der Friedrich-Ebert-Straße waren das Wohnhaus und ein abgestellter PKW nicht mehr zu retten, das ebenfalls betroffene Nachbargebäude konnte aber gehalten werden. Fünf Bewohnerinnen, eine weitere Person und eine große Zahl an Haustieren wurden in Sicherheit gebracht und versorgt oder untergebracht. Dieser Einsatz endete nach beinahe einem ganzen Tag mit dem Teilabbruch der Brandruine. Bei beiden Einsätzen wurden die Kräfte der Feuerwehr Lerbach und der Nachbarwehren vom Team des Hotel Sauerbrey unkompliziert und reichlich verpflegt.
In der Hauptsache hatte Andreas Kratsch aber Positives zu berichten: Höhepunkt des Jubiläumsjahres 2025 waren die Feiern rund um das 150jährige Bestehen der Freiwilligen Feuerwehr mit Kommers, Festball und dem traditionellen Tag der offenen Tür. Mit der Teilnahme an der 200-Jahr-Feier der Volksbank, am Putztag, am Vereinsschießen und den Vereinsspielen, dem Volkstrauertag sowie als Brandwache bei den beiden Osterfeuern war die Wehr wieder ein Hauptakteur der lebendigen Dorfgemeinschaft.
Die Jugendfeuerwehrwartin Ilka Grobecker berichtete von ihrer jetzt schon 17 Jahre währenden erfolgreichen Arbeit. Mit inzwischen 14 Jugendlichen konnte sie auch 2025 wieder ein attraktives Dienst- und Freizeitangebot gestalten: Jugendflamme, Funk- und Erste-Hilfe-Kurse, Besuch bei der Berufsfeuerwehr Göttingen, Zeltlager, Kuchenverkauf auf dem Lerbacher Dorfmarkt und bei Rock im Garten, Waffelbacken zum Wirtschaftstag oder Gestalten einer Skulptur für Lerbach leuchet - Es gibt wohl kein attraktiveres Angebot, um junge Menschen für ein Ehrenamt zu begeistern und an den freiwilligen Dienst für die Allgemeinheit heranzuführen!
Leider war das der letzte Bericht von Ilka Grobecker als Jugendfeuerwehrwartin. Sie übergab das Amt an ihren bisherigen Stellvertreter Marvin Kranitz, der als Wunschkandidat sowohl der Jugendlichen als auch des Kommandos später einstimmig gewählt wurde. Als Andreas Kratsch ihr zum Dank für Ihre Arbeit ein Abschiedsgeschenk überreichte erhoben sich alle Anwesenden für einen langen Applaus.
In seinem Jahresbericht blickte der Stadtbrandmeister Lars Kreiter von der nächsthöheren Ebene auf die Lage der Ortsfeuerwehren. Die Freiwillige Feuerwehr Lerbach ist eine von elf Ortswehren mit insgesamt 437 Aktiven, die im vergangenen Jahr zu 259 Einsätzen gerufen wurden. Darunter waren neben den erwähnten Bränden in Lerbach weitere Feuer, beispielsweise in der Kernstadt Osterode und in Schwiegershausen. Eine Reihe von Änderungen auf Landesebene betreffen die Ortswehren der Stadt und somit auch die Feuerwehr Lerbach. In der Folge der Neuaufstellung der Kreisfeuerwehrbereitschaft wird die Wehr nicht mehr an deren Übungen und Einsätzen teilnehmen, dafür dürfen sich die Kamerad*innen über neue Uniformen und Dienstgrade freuen.
In seinem Grußwort konnte Ortsbürgermeister Olivier Kutscher – zugleich auch stellvertretender Ortsbrandmeister – die enge Verbindung der Feuerwehr zu Ortsrat und Dorfbevölkerung hervorheben. Viele Mitglieder des Ortsrates waren auch als Mitglied von Wehr oder Kommando bei der Versammlung anwesend. Er sei „froh, Mitglied dieser jungen, motivierten und gut ausgebildeten Truppe“ zu sein und dankte den Kameraden für ihren Dienst und ihren Beitrag zum Dorfleben.
Die Fachbereichsleiterin der Stadt Osterode am Harz Thoskild Lätsch ordnete das vergangene Jahr nachdenklich als denk- und merkwürdig ein. Die angespannte politische Lage führe dazu, dass Bevölkerungs- und Zivilschutz wieder in den Fokus gerieten. Mit Blick auf die Großeinsätze stellte sie fest, dass auch 2025 "kein ruhiges Jahr" gewesen sei. Vielmehr habe es "Alles außer Hochwasser" gegeben. In diesem Umfeld seien die Feuerwehren eine wichtige Konstante für den Brandschutz und die Dorfgemeinschaft. Bei der Aufstellung des Feuerwehrbedarfsplanes, der bereits von Lars Kreiter und Olivier Kutscher angesprochen und jetzt beauftragt wurde, werde dies zu berücksichtigen sein. Auch wenn es sich bei den zu ermittelnden Bedarfen eben nicht um Wünsche handele, so müsse doch mit Blick auf die Haushalte priorisiert werden. An welcher Stelle dann ein neues Feuerwehrhaus oder ein neues Fahrzeug für Lerbach stehen wird bleibt abzuwarten. Wichtig war aber die Botschaft, dass der Bedarfsplan nicht dafür genutzt werden soll um Standorte zu hinterfragen.
Für die Kreisfeuerwehr Göttingen sprach der stellvertretende Abschnittsleiter Markus Herzberg die Grußworte. Auf Kreisebene ist die Freiwillige Feuerwehr Lerbach eine von 150 Wehren mit insgesamt 5.131 Aktiven, die im vergangenen Jahr zu 4.314 Einsätzen ausrücken mussten. Auch er sprach mit Blick auf das Brandgeschehen von einer steigenden Einsatzintensität. Er berichtete von der im Bau befindlichen Feuerwehrtechnischen Zentrale (FTZ) in Ebergötzen und der alten FTZ in Katzenstein. Die Arbeiten an Ersterer liegen im Plan, Letztere wurde an die Stadt Osterode verkauft und wird künftig der Feuerwehr Lasfelde als Ferwehrhaus dienen.
Markus Herzberg wies auf eine besondere Ehrung Olivier Kutschers hin: Als Inhaber des Thomas-Philipps-Marktes in Herzberg wurde er vom Landesfeuerwehrverband als Partner der Feuerwehr ausgezeichnet und konnte die Förderplakette in Hannover von Innenministerin Daniela Behrens in Empfang nehmen.
Als Notfallseelsorger informierte Pastor Horst Reinicke über die Betreuung der freiwilligen Rettungskräfte bei 106 Einsätzen durch die 17 Notfallseelsorger. Auch beim Wohnhausbrand im November in Lerbach waren Notfallseelsorger beteiligt.
Unter dem Tagesordnungspunkt Beförderungen und Ehrungen erhielten die Kamerad*innen die zu den neuen Dienstgraden gehörenden Dienstgradschlaufen. Für die scheidende Jugendfeuerwehrwartin Ilka Grobecker bedeutete die Neuordnung der Dienstgrade die Beförderung zur Hauptbrandmeisterin, bevor sie noch einmal von Andreas Kratsch für ihre Arbeit geehrt wurde.
Zum Abschluss der Versammlung standen drei Wahlen an. Wie erwähnt wurde der neue Jugendfeuerwehrwart Marvin Kranitz einstimmig gewählt. Zum Nachfolger des langjährigen Kassenwart Ehrenortsbrandmeister Wilfried Kratsch wurde sein Enkel Felix Kratsch bestimmt. Einstimmig wiedergewählt wurde die Schriftführerin Elena Just, bevor Andreas Kratsch die Versammlung gegen 22:00 Uhr schließen konnte. Nach dem Gruppenbild gingen die aktiven Mitglieder zum geselligen Teil des Abends über.